Das „Waldkirch-Modell“ einer Demenz-WG. Finanzierung und Durchführung auf zwei Säulen

Veröffentlicht am 03.12.2020 in Standpunkte

Von Jana Kempf, Abteilungsleiterin Jugend, Soziales und Integration der Stadt Waldkirch

Eine familiäre Atmosphäre für die Liebsten statt eines Einzelzimmers im großen Pflegeheim – das wünschen sich viele für sich selbst, wenn sie älter werden oder für ihre Angehörigen, die bereits pflegebedürftig sind.

Nicht von ungefähr kommt daher der Trend zu neuen Formen der Pflege – weg von den großen Einrichtungen mit 100 Pflegebetten. So hatte in der Stadt Waldkirch der St. Nikolai-Spitalfond beschlossen, drei ambulante Pflege-WGs zu bauen. Der Spitalfond ist eine gemeinnützige Stiftung in kommunaler Trägerschaft der umliegenden Gemeinden – was für das gefundene „Waldkircher-Modell“ von großer Relevanz ist.

Bei einer dieser WGs brachte die Abteilung Soziales der Stadtverwaltung gestützt durch den Verein WiWaldi – Leben mit Demenz in Waldkirch und der kirchlichen Sozialstation die Idee einer reinen Demenz-WG ein, welche mit intensiver Angehörigen-Beteiligung gelebt werden könnte.

Keine Selbstverantwortete Wohngemeinschaft

Von Anfang an wurde die Bevölkerung aktiv in die Gestaltung des Konzeptes einbezogen. So gab es im Sommer 2019 zum Auftakt eine Bürgerinformation in den Räumlichkeiten der künftigen WG an der über 50 Personen teilnahmen. Alle hatten konkretes Interesse am Einzug eines Angehörigen oder an der ehrenamtlichen Mitarbeit an solch einer Wohnform. Was aber auch sehr schnell aus Sicht der pflegenden Angehörigen deutlich wurde: sie wollen sich gerne im Alltag und mit Projekten in die WG einbringen – niemand will aber die Verantwortung und die Zeit für einen Verein aufbringen, welcher in Eigeninitiative die Alltagsassistenten einstellt und den WG-Ablauf organisiert. Das Modell von bekannten selbstverantworteten Demenz-WGs wie die WOGE in Freiburg oder die WEGE in Emmendingen kam also nicht in Frage.

Trägerstützte Variante mit geteiltem finanziellem Risiko

Die Vertreterinnen der kirchlichen Sozialstation St. Elisabeth e. V. waren von Anfang an sehr aktiv, das Thema Demenz-WG voranzubringen und überzeugt, dass diese Betreuungsform in Waldkirch fehlt. Sie konnten sich zwar die Trägerschaft der WG vorstellen – konnten aber nicht das volle finanzielle Risiko eingehen.

Nach eingehender Beratung wurde für Waldkirch folgendes Modell gefunden (siehe Grafik 1).

Das Zusammenleben mit Unterstützung der Angehörigen

Im Alltag der Demenz-WG unterscheidet sich das Waldkircher Modell nicht von den Vereinsgestützen Modellen. Das Bewohnergremium spielt auch hier eine entscheidende Rolle und die Angehörigen dürfen und sollen sich aktiv in den Alltag einbringen.

So wird um Kosten zu sparen der monatliche Einkauf von Lebensmitteln und Toilettenbedarf von den Angehörigen erledigt. Aktionen wie Plätzchenbacken, Brettspiele, Singen oder Basteln können von den Angehörigen eingebracht werden. Auch ein täglicher Kaffee-Besuch ist gerne gesehen und trägt zu gemütlichen Runden in der WG bei.

Durch das große Interesse an Beteiligung aus der Bevölkerung wird zudem die Gründung eines Fördervereins erwogen, welcher nicht nur finanziell, sondern auch mit ehrenamtlichen Angeboten die WG bereichert: Gartenprojekte, Ausflüge, Kirchenbesuche, gemeinsames Einkaufen auf dem Wochenmarkt, … auch hier können die Angebote das Leben der an Demenz erkrankten Menschen bereichern.

Im Oktober 2020 ist die WG zu Corona-Zeiten gestartet. Vieles konnte daher bisher nicht wie gewünscht stattfinden. Dennoch haben die Angehörigen hier mehr Möglichkeiten des Besuchs und des Kontakts wie in den großen Häusern. Wir sind gespannt und freuen uns auf die Nach-Corona-Zeit.

Hinweis: Die SGK Baden-Württemberg lädt am Mittwoch, den 9.12.2020, 16-17 Uhr zu einem Online-Fachgespräch mit Jana Kempf zum Thema ein.

 

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